Die Frage, wie viel Kredit man mit seinem Gehalt bekommt, beschäftigt viele Menschen, die sich einen Wunsch erfüllen oder eine finanzielle Herausforderung meistern möchten. Die Antwort ist allerdings nicht so einfach wie eine simple Formel. Es spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle, die von Bank zu Bank und von Kreditsituation zu Kreditsituation variieren. Dieser Artikel soll dir einen umfassenden Überblick geben, welche Aspekte deine Kreditwürdigkeit beeinflussen und wie du deine Chancen auf einen Kredit erhöhen kannst.
Dein Gehalt ist wichtig, aber nicht alles: Was Banken wirklich sehen wollen
Dein Gehalt ist natürlich ein wichtiger Faktor, aber Banken schauen viel weiter als nur auf deinen monatlichen Verdienst. Sie wollen ein umfassendes Bild deiner finanziellen Situation, um das Risiko eines Kreditausfalls so gering wie möglich zu halten. Stell dir vor, du bist die Bank: Würdest du jemandem Geld leihen, der zwar ein gutes Gehalt hat, aber jeden Monat sein Konto überzieht und ständig Mahnungen erhält? Wahrscheinlich nicht.
Was Banken also wirklich sehen wollen:
- Dein Einkommen: Hier geht es nicht nur um die Höhe, sondern auch um die Stabilität. Ein unbefristeter Arbeitsvertrag ist besser als ein befristeter, und ein sicherer Job ist besser als ein riskanter.
- Deine Ausgaben: Die Bank will wissen, wie viel Geld du monatlich für Miete, Versicherungen, Lebensmittel, Kredite usw. ausgibst. Je geringer deine Ausgaben im Verhältnis zu deinem Einkommen, desto besser.
- Deine Kreditwürdigkeit (SCHUFA): Die SCHUFA-Auskunft gibt Auskunft über dein bisheriges Zahlungsverhalten. Positive Einträge (z.B. pünktlich bezahlte Rechnungen) sind gut, negative Einträge (z.B. Mahnverfahren, Inkassoverfahren) sind schlecht.
- Deine Sicherheiten: Kannst du der Bank Sicherheiten bieten, z.B. eine Immobilie oder Wertpapiere? Das reduziert das Risiko der Bank und erhöht deine Chancen auf einen Kredit.
- Deine Lebenssituation: Auch Faktoren wie Familienstand, Anzahl der Kinder und Alter können eine Rolle spielen.
Die magische Formel gibt es nicht, aber diese Faustregeln helfen dir weiter
Auch wenn es keine allgemeingültige Formel gibt, die dir exakt sagt, wie viel Kredit du bekommst, gibt es doch ein paar Faustregeln, die dir eine grobe Orientierung geben können:
- Regel 1: Die 30-Prozent-Regel: Deine monatlichen Kreditraten sollten nicht mehr als 30% deines Nettoeinkommens betragen. Das ist eine gute Faustregel, um sicherzustellen, dass du dich nicht finanziell übernimmst.
- Regel 2: Das 20-fache des monatlichen Nettoeinkommens: Einige Banken sind bereit, Kredite bis zum 20-fachen deines monatlichen Nettoeinkommens zu vergeben. Allerdings ist das eher die Ausnahme als die Regel und hängt stark von deiner Kreditwürdigkeit ab.
- Regel 3: Die Haushaltsrechnung: Erstelle eine detaillierte Haushaltsrechnung, um zu sehen, wie viel Geld du monatlich wirklich zur Verfügung hast. Das ist oft aussagekräftiger als die Faustregeln.
Beispiele:
- Beispiel 1: Geringes Gehalt, gute Kreditwürdigkeit: Du verdienst 1.800 € netto im Monat und hast keine weiteren Kredite oder Schulden. Deine SCHUFA ist einwandfrei. Deine monatlichen Ausgaben (Miete, Versicherungen, Lebensmittel) betragen 1.200 €. Nach der 30-Prozent-Regel könntest du dir eine monatliche Kreditrate von 540 € leisten. Wahrscheinlich bekommst du einen Kredit in Höhe von 10.000 bis 15.000 €, abhängig von der Laufzeit und den Zinsen.
- Beispiel 2: Hohes Gehalt, schlechte Kreditwürdigkeit: Du verdienst 4.000 € netto im Monat, hast aber in der Vergangenheit Schwierigkeiten gehabt, Rechnungen pünktlich zu bezahlen. Deine SCHUFA ist nicht optimal. Deine monatlichen Ausgaben betragen 2.500 €. Nach der 30-Prozent-Regel könntest du dir eine monatliche Kreditrate von 1.200 € leisten. Trotz deines hohen Gehalts wirst du wahrscheinlich Schwierigkeiten haben, einen hohen Kredit zu bekommen, da deine schlechte Kreditwürdigkeit das Risiko für die Bank erhöht. Möglicherweise bekommst du nur einen Kredit in Höhe von 5.000 bis 8.000 € zu schlechteren Konditionen.
- Beispiel 3: Durchschnittliches Gehalt, Immobilie als Sicherheit: Du verdienst 2.500 € netto im Monat und möchtest dein Haus renovieren. Du hast bereits eine Immobilie, die du als Sicherheit anbieten kannst. Deine monatlichen Ausgaben betragen 1.500 €. Nach der 30-Prozent-Regel könntest du dir eine monatliche Kreditrate von 750 € leisten. Durch die Immobilie als Sicherheit erhöht sich deine Chance auf einen Kredit deutlich. Du könntest wahrscheinlich einen Kredit in Höhe von 20.000 bis 30.000 € bekommen.
Kreditarten und ihre Auswirkungen auf die Kreditsumme
Die Art des Kredits, den du aufnehmen möchtest, spielt ebenfalls eine Rolle bei der Festlegung der Kreditsumme.
- Ratenkredit: Der klassische Ratenkredit ist oft die erste Wahl für Konsumausgaben. Die Kreditsummen sind in der Regel begrenzt und hängen stark von deinem Einkommen und deiner Kreditwürdigkeit ab.
- Autokredit: Hier dient das Auto oft als Sicherheit für den Kredit. Dadurch sind die Zinsen meist etwas günstiger und die Kreditsummen können höher sein als bei einem Ratenkredit.
- Immobilienkredit: Immobilienkredite sind die höchsten Kreditsummen, die man in der Regel aufnimmt. Hier spielt die Immobilie als Sicherheit eine entscheidende Rolle. Die Kreditsumme hängt vom Wert der Immobilie und deinem Eigenkapital ab.
- Dispokredit: Der Dispokredit ist eine sehr flexible, aber auch sehr teure Kreditform. Die Kreditsumme ist in der Regel auf das ein- bis dreifache deines monatlichen Gehalts begrenzt.
So verbesserst du deine Chancen auf einen höheren Kredit
Wenn du feststellst, dass du mit deinem aktuellen Gehalt nicht den gewünschten Kredit bekommst, gibt es ein paar Dinge, die du tun kannst, um deine Chancen zu verbessern:
- Verbessere deine Kreditwürdigkeit: Bezahle deine Rechnungen pünktlich, vermeide Mahnverfahren und Inkassoverfahren. Überprüfe regelmäßig deine SCHUFA-Auskunft und korrigiere fehlerhafte Einträge.
- Reduziere deine Ausgaben: Überprüfe deine monatlichen Ausgaben und finde Möglichkeiten, zu sparen. Je geringer deine Ausgaben, desto mehr Geld bleibt dir für die Kreditrate.
- Erhöhe dein Einkommen: Suche nach Möglichkeiten, dein Einkommen zu erhöhen, z.B. durch einen Nebenjob oder eine Gehaltserhöhung.
- Biete Sicherheiten an: Wenn möglich, biete der Bank Sicherheiten an, z.B. eine Immobilie oder Wertpapiere.
- Suche nach einem Bürgen: Ein Bürge ist jemand, der für deinen Kredit bürgt, falls du ihn nicht zurückzahlen kannst. Das reduziert das Risiko der Bank und erhöht deine Chancen auf einen Kredit.
- Vergleiche Angebote: Hole dir Angebote von verschiedenen Banken ein und vergleiche die Zinsen und Konditionen.
- Kredit mit zwei Personen: Die Aufnahme eines Kredits mit dem Partner kann die Chancen auf einen höheren Kredit erhöhen. Das gemeinsame Einkommen wird berücksichtigt.
Häufig gestellte Fragen zum Thema Kredit und Gehalt
Wie viel Kredit kann ich mit 2000 Euro netto bekommen?
Das hängt von deinen Ausgaben und deiner Kreditwürdigkeit ab. Nach der 30-Prozent-Regel könntest du dir eine monatliche Kreditrate von 600 € leisten.
Spielt mein Familienstand eine Rolle bei der Kreditvergabe?
Ja, Banken berücksichtigen den Familienstand, da er indirekt auf die finanzielle Situation und die Ausgaben schließen lässt.
Was passiert, wenn ich einen negativen SCHUFA-Eintrag habe?
Ein negativer SCHUFA-Eintrag erschwert die Kreditaufnahme erheblich. Versuche, den Eintrag zu korrigieren oder zu löschen.
Kann ich einen Kredit bekommen, wenn ich selbstständig bin?
Ja, aber die Anforderungen sind oft höher. Du musst in der Regel Einkommensnachweise der letzten Jahre vorlegen.
Wie lange dauert es, bis ein Kredit genehmigt wird?
Das hängt von der Bank und der Art des Kredits ab. In der Regel dauert es wenige Tage bis zu mehreren Wochen.
Fazit
Die Höhe des Kredits, den du mit deinem Gehalt bekommen kannst, hängt von vielen Faktoren ab. Berücksichtige neben deinem Gehalt auch deine Ausgaben, deine Kreditwürdigkeit und mögliche Sicherheiten. Vergleiche verschiedene Angebote, um die besten Konditionen zu finden.